Druckwerk Orange

Druckwerk Orange: Audio-Installation zum Thema Mobbing und verbale Gewalt

Schüler/-innen der Regionalen Schule Rülzheim erstellten unter der Leitung des Medienpädagogen Steffen Griesinger (medien+bildung.com) und ihres Musiklehrers Michael Kröninger eine Audio-Installation zum Thema Mobbing und verbale Gewalt, die mit Hilfe des Instituts für Musik & Akustik des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) im dortigen Klangdom umgesetzt werden konnte. Am 6. Juni 2008 erlebte „Druckwerk Orange“ vor 100 begeisterten Besuchern seine Premiere.

Das inhaltliche Ziel von Druckwerk Orange war es, alltägliche, verbal vermittelte Gewalt in ihrer ursprünglichsten Form, nämlich der akustischen, darzustellen. Dank der besonderen Technik des Klangdoms war es möglich, diese Form von Gewalt in einer eindringlichen Weise zu illustrieren. Dabei ging es keineswegs nur um lautstarke Beschimpfungen, sondern um die Wirkung des Zusammenspiels verschiedener, mitunter sehr subtiler Kränkungen. Die Installation versetzte den/die Hörer/-innen in die Rolle des Opfers und ermöglichte, über sich und sein eigenes Rollenverhalten nachzudenken.

Das Projekt startet im zweiten Schulhalbjahr 2007/2008 im Rahmen der Ganztagsschule an der Regionalen Schule Rülzheim. In der Folge trafen sich 7 Schülerinnen und 5 Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren einmal wöchentlich unter der Leitung des m+b-Medienpädagogen und ihres Musiklehrers. Zu Beginn tauschte sich die Gruppe im Kreisinterview, bei dem sich die Schüler/-innen gegenseitig filmten, über das Thema „verbale Gewalt“ aus. Schnell stellte sich dabei heraus, dass die Schüler/-innen allesamt bereits in irgendeiner Weise Mobbingerfahrungen – passiv oder aktiv – gemacht hatten. Nach kurzer Zeit konnte die Gruppe eine eigene kleine Audio-Installation entwickeln, bei der sechs kreisförmig positionierte Aktivboxen mit Sprache, Musik und Geräuschen angesteuert werden konnten. Verstärkt wurde der dabei erzeugte Eindruck durch die erste Begegnung mit dem Klangdom im ZKM. Im Rahmen einer Führung wurden den Schüler-/innen zwei eigens für den Dom entwickelte Musikstücke präsentiert.

Ein wesentliches Augenmerk der Projektarbeit lag auf der ausdruckstarken Sprachgestaltung. Daher wurde bereits von Anfang an Wert auf theaterpädagogische Übungen gelegt, die im Spiel soziale Ausgrenzung und verbale Gewalt erfahrbar machten. Dabei konnten die Teilnehmer/-innen sich nicht nur in die Opfer-, sondern auch in Täterperspektive hineinversetzen und erlebten, wie die Körperhaltung – insbesondere der sogenannte Hoch- bzw. Tiefstatus – zur Sprachgestaltung beiträgt.
Die Texte wurden dann an einem Aufnahmewochenende von den Teilnehmern/-innen im Studio des ZKM | Institut für Musik & Akustik aufgezeichnet. Diese Arbeit erwies sich als besonders intensiv und führte teilweise auch zu starken emotionalen Regungen. 
Um die Wirkung einer virtuellen Masse zu erhöhen, wurden auch diverse Passanten und Besucher des ZKM angesprochen und als Sprecher/-innen angeworben. Dabei kam es zu interessanten Begegnungen zwischen den Generationen. So sprach beispielsweise ein 80-jähriger Medienkunstpionier einige Texte ein und auch andere Erwachsene zeigten sich an der Arbeit sehr interessiert.
Sämtliche Texte wurden anschließend von den Teilnehmer/-innen geschnitten. Die Schüler/-innen zeigten hierbei nicht nur, wie ausdauernd sie arbeiten, sondern auch, wie gut sie sich untereinander organisieren können.

Das Ergebnis dieser Arbeit ist eine 20-minütige Audio-Installation. Präsentiert wurde Druckwerk Orange erstmals am 6. Juni 2008 im Kubus des ZKM. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auch eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus den Bereichen Bildung, Kunst und Medien initiiert. Dabei sollte es nicht nur um die Installation selbst, sondern auch um das Thema Mobbing und die Möglichkeiten von Medieneinsatz im Unterricht gehen.

Die über hundert anwesenden Gäste wurden von Christian Kleinhanß (medien+bildung.com) durch den Abend geführt. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion gab es von den geladenen Experten viel Lob für die Arbeit der Schüler/-innen. Burkhard Schaefer vom Bildungsministerium Rheinland-Pfalz bekannte, ein akustisches Erlebnis wie dieses habe er zuletzt in den 70iger Jahren bei einem Pink Floyd Konzert gehabt. Ludgar Brümmer, Leiter des Instituts für Musik und Akustik lobte die Qualität der Musikalität des Rhythmus und der Struktur der Installation. Lena Dietze, Vertreterin des „Arbeitskreises Radio und Schule“ des Hessischen Rundfunks, zeigte sich von der Installation sehr bewegt und beeindruckt. Werner Ebner, Initiator von www.schueler-mobbing.de, verneinte die Frage, ob die Schüler/-innen des Projektteams in ihrer Wortwahl und Drastik übertrieben hätten. Alle Anwesenden zeigten sich sehr angetan von den Ideen, die fertige Installation über verschiedene Medien zu präsentieren und damit Schüler/-innen, Lehrer/-innen und Eltern auch außerhalb der Region zugänglich zu machen.

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